Mädchen und Jungs entdecken Arbeits- und Lebenswelten

05.11.2012

Am 8. November 2012 findet der Nationale Gendertag statt.



Schülerinnen und Schüler fit machen für die Wirtschaft und Gesellschaft – dazu ist die Auseinandersetzung mit Bildern, Rollen und Chancen von Frauen und Männern in der Berufs- und Arbeitswelt ein wichtiger Puzzlestein.

Bauführerin, Primarlehrer, Florist, Maschineningenieurin: Der «Gendertag – Zukunftstag für Mädchen und Jungs» im Kanton Basel-Landschaft ermöglicht den Sekundarschülerinnen und
-schülern, sich während ihrer gesamten Sekundarschulzeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln und stetig vertiefter mit Fragen zu Berufswahl und Lebensplanung, mit Gleichstellung und Arbeitswelt auseinanderzusetzen. Sie können die Erfahrungen vom Gendertag gezielt mit dem persönlichen Berufswahlprozess verknüpfen und werden gestärkt, eine vielfältige Lebensgestaltung – insbesondere auch ausserhalb der tradierten Geschlechterbilder – zu entwickeln.

Erfolgreiche Etablierung
Der Baselbieter «Gendertag – Zukunftstag für Mädchen und Jungs» ist das kantonale Pendant zum «Nationalen Zukunftstag – Seitenwechsel für Mädchen und Jungs». Der Tag ermöglicht den Kindern, Einblicke in die Vielfalt der Arbeitswelt von Frauen und Männern, lässt sie Erfahrungen sammeln in geschlechteruntypischen Berufen. Ausserdem ermöglicht er ihnen die Auseinandersetzung mit den Aufgaben und deren Verteilung auf Frauen und Männer in der Haus- und Familienarbeit. Zudem regt der Gendertag sie an, über bekannte und weniger bekannte Lebensentwürfe und Familienmodelle nachzudenken. Die Kinder und Jugendlichen erkunden die Berufs- und Arbeitswelt auf dem Hintergrund des sozialen Wandels unserer Gesellschaft: Veränderungen, welche eine Erweiterung des Berufswahlhorizonts und des Lebenskonzepts unmissverständlich einfordern.
Die externe Evaluation hat dem Gendertag, einem Kooperationsprojekt von Schule, Elternhaus und Arbeitswelt, gute Noten erteilt. Der Tag ist in den meisten Sekundarschulen des Kantons Basel-Landschaft zu einem festen Bestandteil des Schulprogramms geworden.

Berufswahl und Lebensplanung
Die Berufswahl ist kein punktuelles Ereignis, sondern ein langer Prozess, der schon in der Kindheit beginnt. Auf dem Weg spielen Vorbilder, Kindheitserlebnisse, Arbeitsmöglichkeiten, familiäre und gesellschaftliche Erwartungen sowie eigene Wünsche zur Lebensgestaltung eine wichtige Rolle. Die Erlebnisse am Gendertag, der über die vier Schuljahre der Sekundarstufe I angelegt ist, sind ebenso ein Teil dieser Erfahrungen. Vor allem wenn der Tag darauf ausgerichtet ist, Geschlechtergrenzen in der Arbeitswelt zu überschreiten. Dann schauen Buben zum Beispiel was Kleinkinderbetreuer oder Floristen machen und Mädchen besuchen ein Baugeschäft oder eine Computerfirma.
Ein solcher Tag kann für Kinder ein Schlüsselmoment im Lebensplanungsprozess sein und Denkprozesse anstossen. So denkt zum Beispiel Julia darüber nach, Autolackiererin zu werden und auch als Mutter erwerbstätig zu sein, weil sie am Gendertag eine Frau und Mutter in diesem Beruf kennengelernt hat. Oder Markus setzt sich mit dem Gedanken auseinander Florist zu werden, weil er am Gendertag seine kreativen Fähigkeiten einsetzen konnte. Da der Gendertag – Zukunftstag von den Schulen mitorganisiert ist, werden die Erfahrungen und die Themen einer offenen Berufswahl im Unterricht vertieft. Geschlechterstereotypen werden gemeinsam hinterfragt und die jungen Menschen bestärkt, eigene Lebensperspektiven zu entwickeln.

Die Vielfalt der Zukunftsperspektiven in den Betrieben
Der «Gendertag – Zukunftstag für Mädchen und Jungs» hat eine doppelte Bedeutung. Neben der Erweiterung der Lebensperspektiven der Mädchen und Buben kann er die Betriebe für ungewohnte Besetzungen der Lehrstellen sensibilisieren und ist damit eine gute Gelegenheit zur aktiven und geschlechtersensiblen Nachwuchsförderung. Es werden Interessen für Arbeitsbereiche und Funktionen geweckt, welche Mädchen oder Knaben in ihren Berufswünschen und Lebensplanungen noch ungenügend in Betracht gezogen haben, weil sie noch zu wenig darüber wussten oder es aufgrund ihres Geschlechts als unpassend anschauten. Wenn Betriebe und Organisationen auf gute Fachkräfte angewiesen sind, tun sie gut daran, am Gendertag – Zukunftstag mit einem geschlechterbewussten Angebot künftige Mitarbeitende für den Betrieb oder die Berufsbranche zu gewinnen.

Auch Spezialprojekte eröffnen neue Perspektiven. Ziel dieser Projekte ist es, Mädchen und Buben auf Berufe aufmerksam zu machen, in denen Frauen beziehungsweise Männer auch heute noch untervertreten sind. Im Baselbiet können Knaben unter dem Titel «ein Tag als Profibetreuer» einen Tag mit Fachpersonen in einem Altersheim oder einer Kindertagesstätte verbringen. Für Mädchen gibt es zwei Angebote unter dem Titel «Mädchen-Technik-los!».

> Flyer Gendertag – Zukunftstag für Mädchen und Jungs

Weitere Auskünfte zu den Evaluationsergebnissen sowie zu den kantonalen und nationalen Angeboten:
www.avs.bl.ch/gendertag-zukunftstag
www.gleichstellung.bl.ch
www.nationalerzukunftstag.ch

Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion Basel-Landschaft